Jan Olthof
Zusammenfassung
In diesem Beitrag ist die nomadische Vorgehensweise und eine narrative Praxis für
multidisziplinare Teamarbeit beschrieben. Nomadisches Denken ist inspiriert von
den Philosophen Gilles Deleuze und Rosi Braidotti und von der prismatischen Arbeit
von Alfred Drees. Leitlinien und Spielregeln für diese Vorgehensweise sind im Text
angeführt. Aspekte und Konzepte wie „das innere Gespräch“, Rhizom, Resonanz,
prismatische Arbeit werden in diesem Zusammenhang als wichtig erachtet.
Schlüsselwörter: prismatische Arbeit, nomadisches Denken, nomadisches Team,
virale Infektion, Team als therapeutisches Medium, Resonanz, Rhizom
Abstract
The nomadic team: A narrative practice for multidisciplinary work
This article describes nomadic teamwork and a narrative practice for multidisciplinary teams in mental health services. Nomadic thinking found its inspiration in the
work of the French philosophers Gilles Deleuze and Rosi Braidotti and the prismatic
work of the psychiatrist Alfred Drees from the psychiatric hospital in Duisburg, Germany. Guidelines and rules for the process of the nomadic team will be brought up.
Aspects of narrative practice like “the inner conversation”, rhizome, and resonance
prismatic work are seen as important.
Keywords: prismatic work, nomadic thinking, nomadic team, viral infection, the
team as a therapeutic medium, resonance, rhizome
Nomadisches Denken ist Denken auf der Reise, ein Denken, das die „feste Burg
des Wissens“ verlassen darf. Während der Reise trifft man auf viele Wissensformen, die lokal, zeit- und kontextgebunden und historisch sind. Nomadisches
Denken ist affirmativ, affektiv, körperlich, hat eher eine „rhizomartige Struktur“1
, wie die Struktur eines Baumes. D. h., es ist vielfältig, hat viele Eingänge, ist
horizontal orientiert, nicht hierarchisch angeordnet, aber eher nebeneinander
organisiert. Es ist polyphon, mehrfarbig, multiperspektivisch und sucht nicht
nach der großen Wahrheit, aber nach vielen kleinen Wahrheiten. Nomadisches
Denken achtet aufmerksam auf Zögern, auf das Noch-nicht-Erzählte, auf Ausnahmen, auf das Besondere und Vielfältige. Es sucht nach den Marginalisierten,
welche von dem vorherrschenden Diskurs ausgeschlossen sind. Die Stille, das
Schweigen, der Körper, das Intuitive und Lebendige sind Wissensquellen.
Nomadisches Denken ist sich mit Foucault (1971) der Machtaspekte eines jeden
Diskurses bewusst und geht davon aus, dass Realität auf viele Arten erzählt
werden kann. Jeder Diskurs kennt ein Ausschlussverfahren, das bestimmt, wer
sprechen darf und wer nicht, was als Wissen gilt und was nicht, was vernünftig/
professionell ist und was nicht, wie man sprechen muss und was nicht gesagt
werden kann. Nomadisches Denken reflektiert diese Dynamik und erfasst aktiv
Unterschiede, widersteht Ausgrenzung und Vereinheitlichung und akzeptiert
keine universelle Wahrheit. Vielmehr betont es „kleingeschriebene Wahrheiten“
(Olthof 2017). Andere Stimmen bekommen das Recht zu sprechen, die Stimmen
der Verlierer, der Ausgegrenzten, der Ökologie, der Natur, eben „das Parlament
der Dinge“ (Latour 2001).
Nomadisches Denken leistet damit Widerstand gegenüber einem Denken als
Repräsentation, durch den das Vielfältige und Unterschiedliche reduziert wird
zugunsten des Gleichen, des Einen, des Richtigen, des Logos. Ein derartiges
Denken sieht die Dinge, welche man im Umgang mit Klient:innen begegnet, nur
als Repräsentanz. Die sich daraus herleitende Frage ist dann, wie das Viele, das
Unterschiedliche so schnell wie möglich reduziert werden kann, bis „das Eine“
erreicht ist. „Dies = Das!“ Die vielen Symptome und Phänomene gehören zu der
Repräsentanz des Einen, zur Diagnose.
Die Begriffe „nomadisch“ und „nomadisches Denken“ sind philosophische Konzepte des französischen Philosophen Gilles Deleuze, weiter bearbeitet durch Rosi
Braidotti (Deleuze u. Guattari 1977, Braidotti 1994, 2004). Braidotti spricht über
das Denken „auf der Reise“.
Das nomadische Team arbeitet als ein therapeutisches Medium dagegen wie ein
Immunsystem.
Viele Therapeut:innen, die in der Psychiatrie und Psychotherapie, in der Jugendhilfe und ambulanten Familienberatung arbeiten, stoßen bei ihrer Arbeit auf
Phänomene der Wiederholung und Widerspiegelung im Team. Die Teammitglieder werden Teil der Probleme ihrer Patient:innen im Teamtreffen. Die Vielfalt
der Familie spiegelt sich in der Dynamik des Teams wieder. Die Stimmen der
Familienmitglieder verbreiten sich im Team „wie ein Virus“. Symptome, die
Atmosphäre im Raum, die Art zu sprechen und die Wortwahl wiederholen sich
im Kontext des Hilfsangebotes und differenzieren sich in und zwischen den
Teammitgliedern. Koalitionen in einer Familie spiegeln sich nicht selten in Koalitionen im Team. Ein streitsüchtiges Paar kann auf streitsüchtige Teammitglieder
treffen. Ein ängstliches, traumatisiertes Kind spiegelt sich in einem Mitglied,
das es kaum wagt zu sprechen, das nicht gehört wird, unsichtbar bleibt und
nichts gefragt wird. Ein Geheimnis in der Familie findet sich in einer schweren
Atmosphäre mit „dicker Luft“, im Schweigen, Zögern, in Ängstlichkeit oder Beschimpfungen. Wenn das Team über das Klientensystem diskutiert, treten im
Team häufig ähnliche Phänomene auf in verdünnter, abgeleiteter, mimetischer,
also nachahmender Form.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es faszinierend ist diese viralen Phänomene zu erleben und in Beziehung zu beobachten. Im Lauf der Zeit wurden diese
Wiederholungsprozesse mit verschiedenen Begriffen belegt:
Parallele Prozesse (Papp 1980, Sheinberg 1985)
Isomorphismus (Boeckhorst 2003, Simon et al. 1999)
Resonanz (Ausloos 1999)
Virusinfektion (Olthof u. Vermetten 2023)
Diese Prozesse finden außerhalb unserer Wahrnehmung statt. Sie brauchen eine
bestimmte Vorgehensweise, um sie als hilfreich und nutzbar zu transformieren.
Die Metapher der „Virusinfektion“ kann hilfreich sein bei der Suche nach einem
angemessenen Vorgehen: ein Virus dringt in einen Wirtsorganismus ein und
stimuliert dort die Produktion seines eigenen Materials. Der Identitätscode des
Organismus wird überschrieben, es ist ein Transkriptionsprozess. Vielleicht können wir auch im Sinn eines Wortspiels von einer „Trance-Skription“ sprechen.
Der:die jeweilige Therapeut:in gerät, ohne sich dessen bewusst zu sein, in eine
Art Trance. In der Metapher der „Virusinfektion“ findet die Phänomenologie des
Klient:innen-Systems und des größeren Kontextes ein neues Leben im „Wirtskörper“ des Teamsystems.
Zum Beispiel kommt mit häuslicher Gewalt ein „Gewaltvirus“ in die Familie, ein
Virus mit einem ganz eigenen Code. In ihm sind Elemente wie Täter und Opfer,
Bedrohung, wissende und unwissende Zeugen, Grenzüberschreitungen, Geheimhaltung und die Atmosphäre, in der die Gewalt stattfindet, verschlüsselt.
Der Code ist eine Art von Kontextmarkierung (Bateson 1981), die als Zeichen
fungiert, um das analoge „Material“ zu erstellen. Der Virus „wohnt“ oft seit
Generationen in den Familien. Jetzt überträgt er sich auf das Team und wenn die
Mitglieder den Code nicht erkennen, werden sie „krank“: Konflikte, Kranken
stand, Schul- und Methodenkämpfe, Abspaltungen und Ausschlussmechanismen. Entscheidungen werden brachial, mit Macht einseitig durchgesetzt. Um
die „Krankheit“ zu bekämpfen, werden dann häufig ähnliche Mittel genutzt wie
im Kontext der Klient:innen: Spaltung, Unterdrücken von Themen, bestimmte
Themen werden tabuisiert und mit Sprechverbot belegt.
Dieser Prozess lässt sich in der Terminologie von Maturana und Varela (1987) als
strukturelle Koppelung beschreiben: Sobald Klient:innen mit dem Helfersystem
in Kontakt kommen, treten sie mit allem, was ihre Lebensgeschichte ausmacht,
mit den Helfenden in Kontakt. Irgendeine Form von Koppelung, eine Überweisung, ein schriftlicher oder telefonischer Kontakt, kann schon ausreichen. Diese
viralen Vorgänge sind nicht nur unvermeidlich, sie können gerade auch als sehr
nutzbare Informationsquellen fruchtbar genutzt werden. Sie sind dann eine
Voraussetzung für einen tiefen, einfühlsamen „embodied“ Kontakt und können
als Grundlagen für eine phänomenologische Diagnostik oder Prozessdiagnostik
herangezogen werden. In diesem Zusammenhang kann man über Resonanzprozesse sprechen.
Das Team als therapeutisches Medium: Prismatische Arbeit
Die hier zu betrachtende Vorgehensweise ist inspiriert von der sogenannten
„Prismatischen Arbeit” des Psychiaters Alfred Drees im Bertha Krankenhaus in
Duisburg, Deutschland in den 1980er und 1990er Jahren. Er nannte sie auch
„Phantasiearbeit“ (Drees 1990, Drees 1995). Mit dieser Arbeit wollte er die Türen
in der Psychiatrie offenhalten. Die „offene Tür“ war die Antwort auf ein totalitäres Denken, dessen dunkle Schatten noch deutlich spürbar waren. Um zu verhindern, dass die Psychiatrie wieder ein Bollwerk der Macht, der Mechanismen der
Ausgrenzung und Beschränkung werde, sollten Geist und Phantasie offenbleiben. Phantasien, die sich frei ausdrücken können, sollten helfen, Prozesse der
Gegenübertragung zu kanalisieren. Ein Prisma ist ein transparentes optisches
Element mit polierten Oberflächen. Durch diese Oberflächen wird Licht unterschiedlicher Wellenlängen in verschiedene Richtungen abgelenkt. Auf diese Weise
wird das Spektrum erkennbar. Aus verschiedenen Blickwinkeln fällt „das Licht“
der Helfer:innen durch das Prisma auf ihre Klient:innen. Es gibt keine feste
Beobachtung, keinen festen Beobachtungspunkt, aber es fällt Licht aus unterschiedlichen Winkeln ein. So werden Klient:innen in ihrem Spektrum gesehen. Und
wir sind zugleich mit unserer Wahrnehmung mit unseren Klient:innen verbunden
und stehen nicht auf einem äußeren „Beobachtungspunkt“. Wir beobachten unsere Beziehung zu unseren Klient:innen und wir sind Teil der Beobachtung.
In den 1980er Jahren wurde ich eingeladen, am Bertha Krankenhaus als Supervisor für Familientherapie zu arbeiten. Diese Jahre haben mich tief beeindruckt.
Wir sahen psychiatrische Patient:innen mit sehr schwerer Symptomatik, etwa
Söhne und Töchter von Nazioffizieren mit ihren Familien. Wir arbeiteten damals
noch mit dem Einwegspiegel. Alle Psychiater:innen und Psycholog:innen, Krankenpfleger:innen und Sozialarbeiter:innen wurden emotional mit ihren eigenen
Geschichten konfrontiert. Gewalttätige Prozesse der Gegenübertragung, die im
Raum spürbar waren, raubten einem oft den Atem. Die Phantasiearbeit gab all
diesen Prozessen Raum, organisierte einen freien Raum.
Spielregeln und Vorgehensweise für ein Team als therapeutisches Medium
1. Der:die Klient:in in der Mitte
Alles, was wir im Kontakt mit den Klient:innen erfahren, alles, was geschieht,
wird in die Mitte gelegt. Es wird ein Subjekt-Objekt-freier Raum bereitgestellt.
Das bedeutet, dass alles, was in der Begegnung passiert, nicht auf die Therapeut:innen persönlich zurückgeführt wird. Sonst würden sich die Türen schließen und niemand würde es wagen, die eigene Phantasie zu nutzen. Es geht
um freies Sprechen, freie Phantasien, freien Raum – nicht um „Therapeut:in
als Subjekt“ und „Klient:in/Familie als Objekt“. Das wäre die Sprache des Logos,
der Repräsentation, mit der Unterscheidung: „Ich, Therapeut:in, hier, und du,
Klient:in, da! Ich meine, ich finde, ich beobachte, meine Meinung ist und ich
darf alles über die Klient:innen sagen, weil ich unterschiedlich bin, der:die
Expert:in. Und du, Klient:in, bist Objekt meiner professionellen Beobachtung!“
2. Stattdessen sind wir in Resonanz verbunden. Wir sind nicht unterschiedlich,
wir sind verbunden in einer Koppelung und deshalb ist alles wichtig, was im
Raum in Resonanz mit der Klient:in passiert: Fantasien, Assoziationen, die
Atmosphäre im Raum, Körperreaktionen, alles erzählt eine Geschichte, repräsentiert eine bestimmte Farbe und ein bestimmtes Licht. Die Teammitglieder fangen an, sich voneinander zu unterscheiden. Differenzierung entsteht.
Vielfältigkeit, Mehrstimmigkeit spricht. Unterschiedliche Aspekte der Klient:innen-Geschichte werden angesprochen. Mehrfarbigkeit und Nuancen zeigen
sich.
3. Resonanzprozesse brauchen eine bestimmte Inkubationszeit. Eine Immunantwort muss sich entwickeln. Wenn Teambesprechungen unter dem Motto:
„Wir haben keine Zeit“ durchgeführt werden, erkennen die Mitglieder:innen
häufig nicht, dass sie Teil von iterierenden Prozessen sind, und fügen eher
Komplexität hinzu. Sie wiederholen vielleicht das Thema Eile in der Familie:
Keine Zeit füreinander, kein Raum zu sprechen. Man gelangt nicht auf eine
tiefere Resonanzebene. Nur der Logos spricht noch. Prismatische Arbeit fordert
die Koppelung des Unbewussten der Teammitglieder mit dem Unbewussten
der Familie.
Auch wenn man nur mit einzelnen Patient:innen arbeitet, kann die Phantasiearbeit die Abwesenden im Resonanzraum darstellen. Folgende Möglichkeiten
entstehen:
- Viele Verbindungen
- Mehrere Stimmen
- Mehrere Perspektive
- Mehrere Positionen
- Phänomenologie der Patient:innen: Im Angesicht (Levinas) statt nur im Gesicht.
Die Vorgehensweise des Teams als therapeutisches Medium besteht aus zwei
Phasen.
I. Nomadische Phase
Jedes Teammitglied äußert seine Resonanz, nachdem die Information über die
Familie/die Patient:innen geteilt wurde – ohne Diskussion, ohne Kommentar, ohne
Reflexion. Jeder achtet auf die spontanen Ideen und wo die Aufmerksamkeit hingeht. Alle Assoziationen sind erlaubt. Nichts wird interpretiert und mit der Frage
verbunden, wer es ist, der/die da spricht, und es wird auch nicht mit dieser Mutter
und diesem Vater verbunden, sondern mit einer Mutter und einem Vater. Ein empfangender Organismus erzählt, was mit ihm/ihr passiert. Was mitgeteilt wird,
schwebt frei im Raum und eine bestimmte Atmosphäre entsteht. Die Mitglieder
stellen das eigene Unbewusste in einem Resonanzprozess in den Dienst des Unbewussten ihrer Klient:innen. Interaktionen werden ausgespielt, Konflikte simuliert,
Positionen werden eingenommen in der Welt des „Als-ob“, „Als wäre“. Alles wird
mimetisch angesehen, als Nachahmung und Erzählung der Welt der Klient:innen.
Der Raum wird von der Welt des „Als-ob“ geschützt. Alles wird als Wiederholungsprozess gesehen, sodass auch Konflikte keine echten Konflikte sind, sondern
Spiegelungsprozesse. Feste Subjekt-Objekt-Beziehungen werden aufgegeben.
Also nicht: „Ich denke, diese Mutter ist eine Madonna!“, mit einem Schwerpunkt
auf „Ich“ und „diese Mutter“ mit einem festen Bild von „Madonna” und „ich
denke“. Stattdessen: „Mir kommt das Bild einer Madonna in den Sinn.“ Und
dann kommen Geschichten über Madonnen hervor. Die Mutter „ist“ also keine
„Madonna“, sondern sie ruft ein solches Bild hervor. Das Bild kann divergieren,
in verschiedene Richtungen gehen und mit vielen anderen Bilder verknüpft
werden. Es ist nicht mein Bild; das Bild geht durch mich hindurch. Drees (1990,
1995) nennt dies den „potenziellen Raum“.
In diesem Raum wird eine besondere Sprachform angeregt, die sogenannte
„Rheomode-Sprache“. „Rheo“ bedeutet auf Griechisch „fließen“; „Mode“ bedeutet „in der Art von“. Wir kennen diese Sprachform aus der afrikanischen Philosophie von Ubuntu (Ramose 2005). Der Quantum-Physiker David Bohm (1980)
hat diese Sprache als mögliches Experiment vorgeschlagen. Diese Sprache
basiert auf dem Verb: Das Verb organisiert und verbindet die Beziehungen
zwischen Subjekten und Objekten.
II. Reflexionsphase und analytische Phase
In der zweiten Phase wird, was im freien Raum passiert ist, analysiert, reflektiert
und als Teil einer Geschichte auf das Klientensystem und dessen Ökologie hin
interpretiert. Themen werden untersucht, die mimetischen Interaktionen werden
studiert. Dann kommt die Zusammenfassung in einer Erzählung und die
Beschwerden und Symptome werden in einen sinnvollen Kontext gestellt. Ein
Narrativ entsteht, ein Narrativ mit vielen Farben, Perspektiven, Stimmen und
Positionen. Das Team wirkt intensiv zusammen. Das Narrativ kann ein therapeutischer Brief sein, ein Gedicht oder eine mythologische Geschichte, Filmszenen,
ein Märchen. Die Auswahl spielt eine wichtige Rolle: Die:der Therapeut:in, die:der
mit der Familie arbeitet, bestimmt, welche Handlungsstrategie hilfreich sein
könnte, mit welchen Bildern sie sich verbunden fühlt. Das „innere Gespräch“
der:des Therapeut:in (Rober 1999, Olthof u. Rober 2001). Der Problemdiskurs ist
reicher geworden und hat sich über mehrere Bedeutungen differenziert. Das
Narrativ wird mit der Familie geteilt. In unserem „Werkpalast“ sind die Klient:innen immer dabei und sind Zeugen, was in der Phantasierunde geteilt wird. Sie
wählen die Richtung, in die weitergearbeitet wird. Sie sind Teilnehmer:innen und
Mitarbeiter:innen. Es gibt eine enge Zusammenarbeit und eine Suche nach gemeinsamer Bedeutung – so entsteht ein therapeutischer Kontext (Olthof 2017).2
Nomadische Arbeit macht Freude, ist lebendig und jedes Teammitglied fühlt sich
beteiligt. Alle Beitrage werden geschätzt. Alle sind wichtig mit ihren eigenen
Kupplungen und Verbindungen mit dem Klient:innen-System.
Literatur
- Ausloos G (1999) De competenties van families. Tijd, chaos, process. Garant, Antwerpen
- Bateson G (1981) Ökologie des Geistes. Suhrkamp, Frankfurt/M
- Boeckhorst F (2003) Duivelse spiralen. GGNet, circuit specifieke zorg
- Bohm D (1980) Wholeness and the implicate order. Routledge & Kegan, London
- Braidotti R (1994) Nomadic subjects: Embodiment and sexual difference in Contemporary Feminist Theory. Columbia University Press, New York
- Braidotti R (2004) Op Doorreis. Nomadisch denken in de 21e eeuw. Boom, Amsterdam
- Deleuze G, Guattari F (1977) Rhizom. Merve, Berlin
- Deleuze G, Guattari F (1987) A Thousand Plateaus. University of Minnesota Press, Minneapolis
- Drees A (1990) Der „potentielle Raum in klinischer Psychiatrie“. Unveröffentlichtes Manuskript. Bertha Krankenhaus, Duisburg
- Drees A (1995) Freie Phantasien in der Psychotherapie und Balint Gruppen. Vandenhoeck &
Ruprecht, Göttingen - Foucault M (1971) L’Ordre du Discours. Gallimard, Paris
- Jakob P, Borcsa M, Olthof J, von Schlippe A (2022) Narrative Praxis. Ein Handbuch für Beratung, Therapie und Coaching. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
- Latour B (2001) Das Parlament der Dinge. Suhrkamp, Frankfurt/M
- Maturana H, Varela F (1987) Der Baum der Erkenntnis. Scherz, München
- Olthof J (2017) Handbook of narrative psychotherapy. Routledge, London
- Olthof J (2023) Handboek Narratieve psychotherapie. Narrare uitgeverij, Bunde
- Olthof J, Rober P (2001) Het nomadisch team: op zoek naar een vruchtbaar narratief. Systeemtherapie 13(3):156-167
- Olthof J, Vermetten E (2023) De mens als verhaal. Narrare uitgeverij, Bunde
- Papp P (1980) The Greek Chorus and other techniques of paradoxical therapy. Family Process
19:45-57 - Ramose M (2005) African Philosophy through Ubuntu. Mond Books Publishers, Harare, Zimbabwe
- Rober P (1999) The therapist’s inner conversation, therapeutic impasse and the process of
reflection. Family Process 38:209-226 - Sheinberg M (1985) The debate: A strategic technique. Family Process 24:259-271
- Simon F, Clement B, Stierlin H (1999) Die Sprache der Familientherapie. Ein Vokabular.
Klett-Cotta, Stuttgart
Dank an Arist von Schlippe für seine wertvolle Bemerkungen.
Dr. Jan Olthof
E-Mail: olthofjanbg@hotmail.com
32 332024, Jg. 38 (1): 31-38 J. Olthof, Das nomadische Team: Eine narrative Praxis für multidisziplinare Arbeit
34 352024, Jg. 38 (1): 31-38 J. Olthof, Das nomadische Team: Eine narrative Praxis für multidisziplinare Arbeit
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2024, Jg. 38 (1): 31-38 J. Olthof, Das nomadische Team: Eine narrative Praxis für multidisziplinare Arbeit
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